Einstiegsdroge Nikotin: Newsletter Epigenetik 01/2012

(Hamburg, 5.1.2012) Dass die Abhängigkeit von Kokain mit typischen Veränderungen der Epigenome bestimmter Nervenzellen einher geht, ist schon länger bekannt, und ich habe darüber bereits im Newsletter Epigenetik 1/2010 und 2/2011 berichtet. Nun konnte ein Forscherteam um den Nobelpreisträger Eric Kandel zusätzlich zeigen, dass epigenetische Veränderungen auch verantwortlich dafür sind, dass Nikotin oft als Einstiegsdroge zur Kokainsucht wirkt. Wie Experimente mit Mäusen ergaben, hemmt der Tabak-Inhaltsstoff im Striatum genannten Teil des Gehirns ein epigenetisch aktives Enzym aus der Gruppe der Histondeacetylasen, was das Ablesen eines Gens namens FosB erleichtert. Dadurch erhöht sich das Risiko der Mäuse, kokainabhängig zu werden.

Der Befund erklärt epidemiologische Daten bei Menschen, nach denen die meisten Kokainabhängigen bereits Raucher sind und Nikotinkonsum das Risiko, abhängig zu werden, deutlich erhöht. Vorausgesetzt, das Resultat lasse sich auf den Menschen übertragen, würden Antiraucherkampagnen bei Jugendlichen auch die Zahl späterer Kokainabhängiger verringern, folgern Kandel und Kollegen. Nora Volkow vom US-amerikanischen National Institute on Drug Abuse kommentiert, schon jetzt lieferten die Daten ein zusätzliches gutes Argument für eine strengere Regulierung des Tabakkonsums.

Dies ist nur eines von insgesamt 16 spannenden Themen der neuen Januar-Ausgabe meines Newsletter Epigenetik (bitte anklicken). Im Bereich “Grundlagenforschung” geht es neben der Einstiegsdroge Nikotin unter anderem um die nudelsuppenähnliche Anordnung der DNA im Zellkern, um die Vererbung eines epigenetischen Markers, der zur Langlebigkeit führt, um die generationsüberschreitende Stabilität der Epigenome von Pflanzen und darum, dass ein epigenetisches Antikrebsmedikament vielleicht auch gegen Herzinfarkt helfen könnte.

Das Titelbild zeigt Brustkrebszellen und bezieht sich auf einen Beitrag aus dem Bereich “Onkologie”: Darin geht es um zwei aktuelle Studien, in denen Mikro-RNAs vorgestellt werden, die eben solchen Brustkrebszellen ihre Aggressivität nehmen. Weitere Beiträge beschäftigen sich mit falschen epigenetischen Weichenstellungen, die Leukämie auslösen können sowie mit dem typischen Epigenom von Darmkrebszellen.

Im Bereich “Wirtschaft und Medien” stelle ich ein spannendes Buch über Perinatale Programmierung vor. Außerdem gibt es als neue Rubrik einen Kasten mit wichtigen Personalien aus der Epigenetik.

Ich hoffe, die Auswahl und Aufarbeitung der Themen findet wieder Ihr Interesse und wünsche viel Spaß beim Lesen.

Eine Übersicht über alle acht bisher erschienenen Newsletter Epigenetik finden Sie in der rechten Spalte dieser Internetseite. Und wenn Sie mehr über das Thema Epigenetik an sich erfahren wollen, empfehle ich Ihnen mein viel besprochenes und auch von Fachleuten empfohlenes Buch über Epigenetik, Der zweite Code (bitte hier klicken).


Drugi Kod (Der zweite Code)

(Hamburg, 8.12.11) Gestern ist bei W.A.B. in Warschau die polnische Ausgabe von Der zweite Code, meinem Buch über Epigenetik erschienen. So sieht sie aus:

Ich freue mich auf viele neue Leser. Seit dem Frühjahr gibt es ja schon eine niederländische Ausgabe. Demnächst werden zudem eine russische und eine koreanische Übersetung erscheinen. Diejenigen von Ihnen, die nach einer spanischen, italienischen, französischen oder englischen Ausgabe fragen, muss ich allerdings nach wie vor enttäuschen – und das, obwohl der große Epigenetiker Randy Jirtle (Durham, USA) sogar ein Vorwort für eine englische Ausgabe schreiben würde.

Für weitere Infos zum Buch, bitte hier klicken.
Und einen Link zur Website von W.A.B. finden Sie auf meiner Linkseite (bitte hier klicken).


Vorträge als Podcasts

(Hamburg, 1.12.11) Wenn ich ganz ehrlich sein soll, gibt es etwas, was ich noch lieber mache, als Bücher schreiben: Vorträge halten. Das kann ich aber nur, wenn ich dazu eingeladen werde, was natürlich nur geschieht, wenn sich zunehmend herumspricht, dass meine Vorträge auch etwas taugen. Und deshalb habe ich einen neuen Service auf diesen Netzseiten installiert. Von heute an können Sie auf den Seiten mit Infos zu meinen Vorträgen nicht nur lesen, worum es in diesen Vorträgen geht, sondern sich durch das Anklicken von Podcasts auch direkt anhören, wie ein Vortrag von mir so klingt.

Hier die drei aktuellen Podcasts (bitte auf die Bilder klicken):

Vortrag “Wir sind nicht die Marionetten unserer Gene”, Dornbirn, Österreich, 18.5.2011 (ORF Radio Vorarlberg, 26.11.2011, Sendung “Focus” mit Johannes Schmidle, ca. 52 Minuten)


Radiovortrag “Ruhelos in Deutschland. Plädoyer für eine neue Schlafkultur” (SWR2, 24.4.2011, Sendung “Aula”, ca. 28 Minuten)


Radiovortrag “Ein anderer Code. Wie wir unser Erbgut steuern” (SWR2, 16.10.2011, Sendung “Aula”, ca. 28 Minuten)


Für eine Übersicht über mein gesamtes Vortragsangebot, bitte hier klicken.
Und wenn Sie sich davon überzeugen wollen, wo und wie oft ich bereits aufgetreten bin, empfehle ich mein Terminarchiv (bitte hier klicken).


Vortragsreihe “Chronobiologie” in Hamburg

(Hamburg, 24.11.11) Der Naturwissenschaftliche Verein in Hamburg startet heute mit einer öffentlichen und kostenlosen Vortragsreihe zur Chronobiologie. Die empfehlenswerten Vorträge zu äußerst spannenden Themen rund um die Inneren Uhren von Mensch und Tier beginnen Donnerstags um 19:30 Uhr im großen Hörsaal des Zoologischen Instituts und Museums – genau dort, wo vor fast 17 Jahren meine Disputation stattfand. Der Höhepunkt wird sicher der Vortrag von Deutschlands prominentestem Chronobiologen, Till Roenneberg aus München.

Nächste Woche bin übrigens ich selbst mit einem Vortrag über den Schlaf an der Reihe. Ich freue mich über viele Besucher.

Die Termine:

  • 24.11.11: Prof. Dr. Dieter Mergenhagen, Hamburg: Chronobiologie – was ist das? Über Zeitmessung in der belebten Natur
  • 1.12.11: Dr. Peter Spork, Hamburg: Warum wir schlafen. Neue Erkenntnisse über den wichtigsten Rhythmus des Menschen
  • 8.12.11: Prof. Dr. Jörg H. Stehle, Frankfurt/M: Die Uhren in unserem Kopf – wie messen Nervenzellen Zeit?
  • 15.12.11: Prof. Dr. Till Roenneberg, München: Leben zwischen innerer und äußerer Uhr.

Für weitere Details sowie eine Terminvorschau auf meine anderen Vorträge, bitte hier klicken.
Und mehr Infos zu meinem Buch zum Thema, Das Schlafbuch, finden Sie, indem Sie hier klicken.


Radiovortrag als Manuskript

(Hamburg, 17.10.2011) Wer meinen gestern ausgestrahlten 30-minütigen SWR2-Radiovortrag Ein anderer Code. Wie wir unser Erbgut steuern können verpasst hat, kann sich jetzt eine Abschrift herunterladen (bitte hier klicken). Beim SWR finden Sie aber auch einen Podcast – falls Sie lieber meiner Stimme lauschen.

Noch besser wäre natürlich, Sie kämen zu meinem Vortrag am 20. Oktober in der Stadtbibliothek Heilbronn. Einen Hinweis darauf und eine Liste weiterer Termine finden Sie, indem Sie hier klicken.

Und weitere Infos zum Buch über Epigenetik, Der zweite Code, finden Sie hier.


Epigenetik als Sprache zwischen Arten: Newsletter Epigenetik 04/2011

(Hamburg, 14.10.2011) Epigenetisch aktive Substanzen helfen Vertretern verschiedener Arten, ihr Genaktivierungsmuster gegenseitig zu beeinflussen. Das wurde jetzt an zwei verschiedenen Beispielen deutlich. Ein deutsch-österreichisches Forscherteam entdeckte, dass Bakterien mit Hilfe eines Histon verändernden Enzyms epigenetisch stumm geschaltete Gene eines Pilzes aktivieren können. Und Forscher aus Potsdam zeigten, dass in Symbiose lebende Pilze und Pflanzen über Kanäle in den Zellmembranen Mikro-RNAs miteinander austauschen. Erst das ermöglicht die Symbiose, etwa indem Gene blockiert werden, deren Aktivität normalerweise Pilzinfektionen bekämpft.

Dies ist nur eines von insgesamt 17 spannenden Themen der gerade erschienenen Oktober-Ausgabe meines Newsletter Epigenetik (bitte anklicken). Allein 15 neue Studien aus den letzten drei Monaten werden im Bereich “Grundlagenforschung” vorgestellt. Es geht um einen Speicheltest zur Altersbestimmung, um bahnbrechende Erkenntnisse zur aktiven DNA-Demethylierung, um den Kampf gegen Fettsucht breits im Mutterleib und frühester Kindheit und um neue Erkenntnisse zu den epigenetischen Folgen von vor- und nachgeburtlichem Stress. Wussten Sie zum Beispiel, dass die Kinder extrem gestresster Mütter mit verkürzten Telomeren zur Welt kommen? Physiologisch gesehen sind sie bereits im Mutterleib drei bis fünf Jahre gealtert.

Das Titelbild zeigt übrigens braunes Fettgewebe. Das ist gut und schützt vor Übergewicht. Jetzt haben Forscher herausgefunden, welche epigenetischen Stoffe darüber entscheiden, ob sich eine Vorläuferzelle zu braunem Fettgewebe entwickelt oder nicht. Diese Erkenntnis könnte eines Tages Menschen mit Übergewicht helfen.

Auch im Bereich “Onkologie” präsentieren Ihnen meine sieben Mitherausgeber und ich interessante Neuigkeiten: Es geht um einen neuen Ansatz zur Leukämietherapie, eine neue Form der Krebsfrüherkennung sowie um epigenetische Veränderungen bei Blasenkrebs und Lymphomen.

Angereichert wird das Ganze wie immer mit Berichten aus Wirtschaft und Medien sowie Terminhinweisen.

Ich hoffe, die Auswahl und Aufarbeitung der Themen findet wieder Ihr Interesse und wünsche viel Spaß beim Lesen.

Eine Übersicht über alle sieben bisher erschienenen Newsletter Epigenetik finden Sie übrigens in der rechten Spalte dieser Internetseite. Und wenn Sie mehr über das Thema Epigenetik an sich erfahren wollen, empfehle ich Ihnen mein viel besprochenes und auch von Fachleuten empfohlenes Buch über Epigenetik, Der zweite Code (bitte hier klicken).


Radiovortrag: Ein anderer Code

(Hamburg, 11.10.2011) Am Ostersonntag diesen Jahres wurde im Rahmen der vorzüglichen SWR2-Sendung “Aula” mein erster Radiovortrag gesendet. Er hieß Ruhelos in Deutschland und war ein 30-minütiges Plädoyer für eine neue Schlafkultur. Offensichtlich hat das Resultat den Hörern und der SWR2-Wissenschaftsredaktion gefallen. Zumindest durfte ich dieser Tage gleich einen zweiten Radiovortrag aufzeichnen.

Dieses Mal geht es um das Thema meines aktuellen Sachbuchs Der zweite Code: Die Epigenetik. Der Titel des Vortrags lautet Ein anderer Code. Wie wir unser Erbgut steuern können. Ich zitiere die Ankündigung von SWR2: “Enkel von Rauchern leben oft kürzer als Enkel von Nichtrauchern. Eltern, die übergewichtig sind, geben das oftmals an ihre Nachkommen weiter, die Zeit vor und nach der Geburt prägt den Charakter von Kindern. Das alles sind Ergebnisse einer noch relativ neuen wissenschaftlichen Disziplin, der Epigenetik. Sie beschäftigt sich mit Umwelteinflüssen, die den genetischen Code verändern und deshalb auch vererbt werden können. Der Wissenschaftsjournalist Peter Spork führt in diese Welt des zweiten genetischen Codes ein.”

Sendetermin ist Sonntag, der 16.10.2011, 08.30 bis 9.00 Uhr auf SWR2. Und falls Sie die Sendung verpasst haben, schauen Sie ruhig wieder hier vorbei: Ich werde wie beim letzten Mal zum SWR2-Podcast verlinken und auch die Abschrift des Vortrags zum Herunterladen bereitstellen.

Die Abschrift des letzten Radiovortrags, Ruhelos in Deutschland können Sie herunterladen indem Sie hier klicken.

Wer mich indes lieber lebendig erleben möchte, kann zu meinem Vortrag am 20. Oktober in der Stadtbibliothek Heilbronn kommen. Einen Hinweis darauf und eine Liste weiterer Termine finden Sie hier.

Und mehr Infos zum Buch Der zweite Code gibt es hier.


Drei neue Digitalbücher

(Hamburg, 1.9.2011) Gute Nachrichten: Seit heute gibt es drei weitere Bücher von mir als Digitalbücher. Es wird also höchste Zeit, sich einen so genannten eBook-Reader zu kaufen. Die Dinger sind wirklich praktisch. Wer sich erst mal daran gewöhnt hat, nur virtuell umblättern zu können, wird es bestimmt genießen, eine ganze, federleichte Bibliothek immer griffbereit auf Reisen oder in der U-Bahn dabei zu haben.

Vor allem freue ich mich aber, weil zwei der neuen Digitalbücher als gedruckte Werke vergriffen sind. Das Schnarchbuch und Das Uhrwerk der Natur kehren so auf den Buchmarkt zurück. Ich finde, sie haben das mehr als verdient – aber meine Meinung ist natürlich nicht objektiv.

Das dritte neue Digitalbuch ist Das Schlafbuch. Außerdem ist schon seit einem knappen Jahr Der zweite Code in einer digitalen Version lieferbar und wird auch erstaunlich oft gekauft – äh “gedownloaded”.

Wenn Sie auf die blau gefärbten Buchnamen im Text klicken, gelangen Sie übrigens direkt zu weiteren Infos über die genannten Bücher. Für eine Übersicht über alle meine Bücher klicken Sie bitte hier.


Bessere Schulnoten im Schlaf

(Hamburg, 23.8.2011) Leser dieser Netzseiten und meines Schlafbuchs wissen längst, dass es viele gute Argumente für eine Verschiebung des Schulbeginns auf neun Uhr oder für ältere Schüler sogar auf zehn Uhr gibt. Das entspricht einfach dem biologisch vorgegebenen inneren Rhythmus von Kindern im Alter zwischen 15 und 25.

Jetzt hat mich sogar der “Kinderspiegel”, Dein Spiegel, gebeten, ein “Pro” zum Thema Schulbeginn ab neun abzugeben. Hier meine Argumente:

Sich bessere Schulnoten im Schlaf verdienen? Das ist möglich
Im Schlaf arbeitet unser Gehirn auf Hochtouren. Es sortiert all die vielen Dinge, die wir erlebt und gelernt haben, als wir wach gewesen sind. Was wichtig war prägt es sich besonders gut ein und Unwichtiges vergisst es wieder. Forscher sagen deshalb, wir lernen im Schlaf. Klar also, dass Schulkinder extra viel Schlaf brauchen. Sie müssen ja auch besonders viel lernen.
Doch gerade ältere Schüler – etwa ab der Pubertät – haben ein ernstes Problem: Sie werden abends erst spät müde und können morgens sehr lange schlafen, zumindest wenn man sie lässt. Dafür sorgen die inneren Uhren, die in diesem Alter sehr langsam ticken. Beginnt aber – wie bei uns in Deutschland – die Schule zu früh, müssen die Kinder unausgeschlafen aufstehen. Früher zu Bett zu gehen bringt ihnen nichts, weil sie dann nicht einschlafen können.
Die einzige biologisch sinnvolle Lösung ist ein späterer Schulbeginn, zum Beispiel um neun Uhr oder für die ältesten Schüler um zehn. Viele Eltern und Lehrer verstehen das nicht, denn sie sind so alt, dass ihre inneren Uhren wieder schnell ticken und sie früher zu Bett gehen können. In den USA hat man einen späteren Schulbeginn schon ausprobiert und gute Erfahrungen damit gemacht: Die Kinder fühlten sich wohler und bekamen bessere Noten – nur weil sie mehr schlafen konnten.

Das “Kontra” liefert übrigens Eva Marie Haberfellner, Schulleiterin am Schloss-Internat Salem. Ihr Hauptargument lautet: “Zum Ausschlafen fehlt Schülern die Zeit.” Da wundere ich mich schon ein wenig. Die alten Griechen dachten noch, der Schlaf sei überflüssig wie ein “kleiner Tod”, weshalb die zuständigen Götter Hypnos und Tanathos auch Zwillingsbrüder waren. Aber längst haben Schlafforscher erkannt, dass der Schlaf ein lebensnotwendiger hochaktiver Zustand ist. Wer an ihm spart, verliert im Wachzustand deutlich an geistiger wie körperlicher Leistungsfähigkeit.
Mein Tipp nach Salem: Bitte lassen Sie die Kinder länger schlafen. Sie werden Zeit gewinnen!

Die Hintergründe zu dieser Argumentation habe ich ausführlich in einer Titelgeschichte für Die Zeit zusammengefasst, die Sie auf diesen Netzseiten als Arbeitsprobe lesen können (bitte hier klicken).

Noch viel mehr Infos und wissenschaftliche Hintergründe finden sich natürlich in meinem Schlafbuch (bitte hier klicken).


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