Wir sind keine Sklaven unsere Gene, Herr Sarrazin!

Warum der genetische Einfluss auf unsere Intelligenz unwichtig ist / Thilo Sarrazin übersieht die Epigenetik.

VON PETER SPORK

(Hamburg, 02.9.10) Muss man zu Thilo Sarrazin und seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ noch etwas sagen? Eigentlich nicht. Doch wer sich durch die vielen Internet-Foren geklickt hat, einmal gelesen hat, mit welcher Häme dort dumpfeste Ressentiments verbreitet werden, nach dem Motto: „endlich dürfen wir sagen, was wir schon immer dachten“, was aber von „den Politikern und anderen Linken“ verboten wurde, der mag nicht schweigen. Irgendwelche Menschen – vermutlich ganz normale Mitbürger, die uns auf der Straße vielleicht sogar sympathisch erschienen – schwafeln von der „Wahrheit, die endlich mal jemand auszusprechen wagt“, sie halten Sarrazins Buch allen ernstes für „mutig“, „wichtig“ oder „ehrenhaft“, freuen sich, dass so genannte „Volkspädagogen“ und „Meinungsdespoten“ jetzt „endlich Klartext“ serviert bekommen. Einige von ihnen sehen unser Land schon bald von „Moscheen überwuchert und Muezzin-Gesängen übertönt“. Andere behaupten, schon heute könne man sich in einer normalen deutschen Großstadt kaum noch deutsch verständigen. Es ist grauenhaft.

Denn tatsächlich redet Sarrazin mit seiner biologistischen Argumentation von etwas, wovon er keine Ahnung hat. Er hält die Gene für ein unsichtbares Bindeglied innerhalb einer Kultur – dabei unterliegt diese einer kulturellen, keiner biologischen Evolution. Er meint zudem, nur weil eine bestimmte Veranlagung zu einem gewissen Grad genetisch fixiert ist, sei sie in einer bestimmten Kultur besonders ausgeprägt oder in einer bestimmten Ethnie überdurchschnittlich häufig vertreten. Dabei gibt es – von sehr wenigen, noch dazu seltenen monogenen Erbleiden abgesehen – praktisch kein relevantes Merkmal, das nicht von vielen Genen zugleich abhängig ist. Eine derart komplexe Eigenschaft wie Intelligenz (vermutlich eines der komplexesten Merkmale überhaupt, an dem vielleicht viele tausend Gene gleichzeitig mitwirken), kann also schon aufgrund der unfassbar zahlreichen daran beteiligten genetischen Variabilitäten überhaupt nicht innerhalb einer ethnischen Gruppe spürbar anders ausgeprägt sein, als innerhalb einer anderen.

Auch wenn es Thilo Sarrazin nicht wahrhaben möchte: Die Menschen sind genetisch gesehen eine unerhört homogene Gruppe. Selbst, dass die Schimpansen weniger intelligent sind als wir, hat vermutlich vor allem mit nichtgenetischen Einflüssen zu tun, etwa der anderen biologischen Entwicklung des Gehirns und einer anderen Kontrolle der Genexpression in den beteiligten Nervenzellen.

Ein weiteres Beispiel: Daran, dass Zebrafinken singen können, sind 600 Gene beteiligt. Und es ist völlig unwahrscheinlich, dass ein Fink bei all diesen 600 Genen ausschließlich jene Varianten geerbt hat, die ihn besonders schön oder besonders hässlich zwitschern lassen. Jeder Statistiker sieht sofort, dass die überwiegende Mehrheit der Zebrafinken durchschnittlich schön zwitschern dürfte, weil sie ungefähr ähnlich viele „bessere“ wie „schlechtere“ Genvarianten geerbt hat. Viel gravierender als diese sich selbst nivellierende Genetik sind Signale aus der Umwelt, etwa die Zeit, die Jungtiere hatten, in Ruhe dem Gesang älterer Vögel zu lauschen. Diese Einflüsse verändern nicht die einzelnen Gene, sondern das gesamte Genaktivitätsmuster der beteiligten Nervenzellen. Sie wirken auf alle 600 Gene zugleich und haben somit die Fähigkeit, das Potenzial, das in den Genen steckt optimal zu nutzen oder schlimmstenfalls drastisch abzusenken. Erst wenn zwei Vögel in einer vergleichbaren Umwelt aufwachsen, steigt der messbare genetische Einfluss auf ihre Sangesleistung an.

Aus dem gleichen Grund gibt es unter uns Menschen kaum Riesen und kaum Kleinwüchsige sondern zumeist durchschnittlich große Individuen. Dass wir Menschen im Durchschnitt seit einigen Jahrzehnten immer größer werden, dass unsere Lebenserwartung steigt, und dass unsere Intelligenz – oder das, was wir in Intelligenztests messen – kontinuierlich wächst, hat nichts mit Genetik zu tun. Dafür sind die Trends zu schnell. Es ist eine Folge der verbesserten Umweltbedingungen.

Gerade beim Thema Intelligenz ist offensichtlich: Die genetischen Unterschiede – mögen sie auch noch so groß sein – können bei verschieden aufgewachsenen Menschen nur einen geringen Teil zur unterschiedlichen Intelligenz beitragen. Mindert eine der unzähligen Genvarianten die Intelligenz, erhöht sie eine andere. Nur wenn die Umweltbedingungen zweier Menschen ähnlich sind – wenn die Mütter während der Schwangerschaft ähnlich viel oder wenig Belastungen ausgesetzt waren, wenn die Eltern und Erzieher in den ersten Lebensjahren für eine vergleichbare Dosis an Geborgenheit und anregender Umgebung mit vielen Lernanreizen und Entfaltungsmöglichkeiten gesorgt haben – dann steigt der messbare genetische Anteil am verbleibenden Intelligenz-Unterschied auf jene 30 bis 80 Prozent, die aktuelle Studien als Wert angeben. Dass diese maximal 80 Prozent dann aber absolut gesehen nur wenige IQ-Pünktchen ausmachen, vielleicht zwei bis fünf, und dass dieser Unterschied letztlich belanglos ist, das hat Sarrazin nicht begriffen – oder er will es nicht begreifen.

Das Potenzial in den Genen aller Menschen ist fast gleich: Niemand kann ernsthaft behaupten, Muslime oder Araber oder Türken oder Deutsche hätten nachweislich mehr Intelligenz mindernde oder erhöhende Genvarianten als andere Völker oder Religionsgemeinschaften.

Was also eine einzelne Genvariante nicht erreichen kann, dass die Möglichkeiten, die in einem Organismus, in einem Gehirn angelegt sind, optimal genutzt werden, das kann die Umwelt, das kann der Lebensstil, das können Faktoren wie die gesunde Ernährung und Stressfreiheit der Mutter in der Schwangerschaft sowie der Eltern und des Kindes in den ersten Monaten nach der Geburt oder die Liebe und Fürsorge des Kindes im Elternhaus oder die Qualität der Erziehung und Ausbildung in Kindergärten und Schule. Ernst Peter Fischer erinnert in diesem Zusammenhang an Goethes Definition der Genetik: „Genetisch nennt Goethe etwas, das nicht da IST, sondern daß WERDEN (entstehen) muss, das eine Genese hat.“

Hier kommt die Epigenetik ins Spiel, eine Wissenschaft, von der Thilo Sarrazin vermutlich noch nie etwas gehört hat. Die Epigenetik beschäftigt sich mit Schaltern an den Genen, die etwa ausgelöst durch Umwelteinflüsse bestimmen können, welche Gene eine Zelle dauerhaft benutzen kann und welche nicht. Erst die Epigenetik erklärt zum Beispiel, wie es dem niederländischen Volk gelungen ist, binnen 150 Jahren von einem der körperlich kleinsten zu einem der größten Völker aufzusteigen. Das genetische Potenzial für eine hohe Körpergröße hatte dort offenbar schon immer existiert, aber erst die optimalen Ernährungsbedingungen des letzten Jahrhunderts haben die epigenetischen Schalter auch dazu bewegt, die entsprechenden Gene zu aktivieren.

Was bedeutet das übertragen auf die Sarrazin’sche Intelligenzdebatte? Es ist schlicht Unfug, bestimmten ethnischen Gruppen in unserer Gesellschaft eine genetisch bedingte verminderte Intelligenz zu unterstellen. Viel entscheidender als der genetische Einfluss ist der epigenetische. Wir müssen dafür sorgen, dass es möglichst vielen Gruppen in unserer Bevölkerung gelingt, das Angebot, das in der Summe ihrer Gene steckt – also in ihnen als gesamter Mensch angelegt ist, auch zu nutzen. Wir sollten froh über alle Zuwanderer sein, die sich unserem Land zugehörig fühlen. Letztlich erhöhen sie das Entwicklungspotenzial der Gesamtgesellschaft. Denn sie erhöhen, um ebenfalls streng biologistisch zu argumentieren, die Zahl der genetischen Varianten im Genpool, was die Gesellschaft als Ganze vielfältiger und begabter macht. Statt einzelne Gruppen auszugrenzen, muss es darum gehen, die Lebensbedingungen werdender und gewordener Eltern sowie von deren Kindern überall in der Gesellschaft – über alle Ethnien und Schichten hinweg – weiter zu verbessern.
© Peter Spork

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Anerkennung von russischen Schlafforschern

(Hamburg, 26.8.10) Gerade las ich eine Übersetzung des Vorworts aus der russischen Ausgabe meines Schlafbuchs. Das Vorwort stammt von Dr. W.M. Kowalson, seines Zeichens Vorsitzender der Sektion für Somnologie (Schlafforschung) in der Pavlov-Gesellschaft für Physiologie und Vorsitzender der Russischen Gesellschaft für Somnologie. Der Herr dürfte also beurteilen können, ob im Schlafbuch Humbug steht oder nicht.

Kowalson schreibt: “Peter Spork berichtet populär, spannend und grundsätzlich korrekt über die neuesten Erkenntnisse der Schlafforschung. […] Im Namen aller russischen Somnologen begrüße ich die Initiative des Verlages ‘Binom. Labor des Wissens’, das vorliegende Buch zu übersetzen und es der Öffentlichkeit zu empfehlen.”

Da hab ich aber noch mal Glück gehabt.

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Sehr gefreut

(Hamburg, 18.8.10) Michael Lange hat in seiner Besprechung des neuen Buchs von Jörg Blech (Gene sind kein Schicksal, siehe nächsten Beitrag) für Deutschlandradio Kultur einen Vergleich zu meinem Buch Der zweite Code gezogen, der mich sehr gefreut hat und den ich Ihnen, werte Besucher meiner Netzseiten nicht vorenthalten kann. Vielen Dank, lieber Herr Lange!

Und nun das Zitat: “Wer die Wissenschaft hinter den Schlagworten genauer kennenlernen und nachvollziehen möchte, dem sei das anschaulich geschriebene Buch des Neurobiologen Peter Spork empfohlen. Sein Buch “Der zweite Code” kam bereits vor einem Jahr zu ähnlichen Schlussfolgerungen.”

Für einen Podcast des Beitrags und die Textrezension bitte hier klicken (aber danach zu meinen Seiten zurückkehren und den nächsten Beitrag lesen ;-)

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Ist der Spiegel ein Nachrichtenmagazin?

(Hamburg, 11.8.10) Der Spiegel ist Deutschlands führendes Nachrichtenmagazin, die Leser sind immer auf der Höhe der Zeit, die Autoren immer neutral, bestens informiert und der aktuellen, umfassenden Aufklärung verpflichtet. Tatsächlich? Die aktuelle Titelgeschichte heißt jedenfalls: „Der Sieg über die Gene. Klüger, gesünder, glücklicher: Wie wir unser Erbgut überlisten können.“ Natürlich habe ich den Text sogleich gelesen, handelt er doch von Epigenetik und liegt ihm die gleiche Idee zugrunde wie meinem vor einem Jahr erschienenen Buch Der zweite Code. Epigenetik oder wie wir unser Erbgut steuern können.

Ehrlich gesagt: Wer mein Buch gelesen hat, dem wird das Allermeiste bekannt vorkommen. Erwähnt oder gar als Lesetipp empfohlen wird Der zweite Code dennoch nicht, obwohl der Spiegel mein Buch bereits bei seinem Erscheinen in einer Kurzrezension vorgestellt und ausdrücklich gelobt hatte.

Warum das so ist, ergibt sich aus der Hausmitteilung: Morgen soll das neue Buch von Jörg Blech, dem Spiegel-Redakteur und Autor der Titelgeschichte auf den Markt kommen. Es heißt Gene sind kein Schicksal. Wie wir unsere Erbanlagen und unser Leben steuern können. Beworben wird das Buch mit dem markanten Spruch: “Wir sind nicht die Marionetten unserer Gene!” Den kennen die Leser von Der zweite Code schon länger: „Die wichtigste Botschaft meines Buches lautet: Fühlen Sie sich nicht als Marionetten Ihrer Gene.“ So steht es in meiner Einleitung und so steht es auch auf der Netzseite zu meinem Buch.

In der Verlagsankündigung zum Blech-Buch steht weiterhin “Wir selbst haben den größten Einfluss auf unser Leben und unsere Gesundheit. Tatsächlich bestimmen unsere Gene nur zum Teil unsere Geschicke. Größeren Einfluss haben Erfahrungen, Gedanken, soziale Beziehungen und Umweltfaktoren.” Jörg Blech zeige “wie sehr wir selbst unser Leben und unsere Erbanlagen steuern können.” “Seine Schlussfolgerungen, die sich aus dem neuesten Zweig der Genforschung, der Epigenetik, ergeben, sind revolutionär und werden erstaunliche Auswirkungen auf unsere persönliche wie auch gesellschaftliche Lebensweise haben.”

Auch das kam mir seltsam bekannt vor. Auf der Rückseite meines Buches steht über die Epigenetik (nicht über mich, denn diese Erkenntnisse hatten schon viele Menschen zuvor): „Ihre revolutionäre Erkenntnis: Gene bestimmen nicht alles. Deren Aktivität lässt sich steuern, und zwar nicht zuletzt durch unseren Lebenswandel.“ Noch eine Kostprobe gefällig? Ich schreibe: „Anders als die Bio-Fatalisten es in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder behauptet haben, ist unser Leben nicht bis ins Kleinste vom Erbgut vorbestimmt. Zwar gibt es ein biologisches Schicksal, ein genetisches Programm, das Körper und Geist im Griff hat, das mit festlegt, ob wir krankheitsresistent, dick, langlebig, krebsanfällig, umständlich, liebevoll, suchtgefährdet oder besonders schlau sind, doch haben wir dieses Schicksal ein gehöriges Stück weit selbst in der Hand. Ändern Sie Ihren Lebensstil – und sie nehmen biochemische Weichenstellungen vor, die Ihnen und vielleicht sogar Ihren zukünftigen Kindern und Kindeskindern für den Rest Ihrer Zeit auf Erden unauffällig aber stetig helfen werden.“ Oder siehe Seite 16: „Doch was die Epigenetik aus dem Elfenbeinturm der Grundlagenforschung holt, ist ein anderes Phänomen: Die Epigenschalter sind flexibel. Sie reagieren auf Umwelteinflüsse. Deshalb können Erziehung, Liebe, Nahrung, Stress, Hormone, Hunger, Erlebnisse im Mutterleib, Vergiftungen, Psychotherapie, Nikotin, außergewöhnliche Belastungen, Traumata, Klima, Folter, Sport und vieles mehr unsere Zellen umprogrammieren.“

Zumindest die Marketing-Abteilung des Fischer-Verlags scheint die Einleitung meines Buchs also sehr genau gelesen zu haben. Und ich nehme es durchaus als Kompliment, dass die Qualität und der Erfolg von Der zweite Code den Verlag ermuntert haben, auf das Thema auch noch dann zu setzen, wenn eigentlich das gleiche Buch ein Jahr zuvor bereits erschienen ist.

Die Spiegel-Titelgeschichte heißt übrigens „Das Gedächtnis des Körpers“ – genau wie ein Bestseller von Joachim Bauer, in dem er 2004 als einer der ersten die Idee vertrat, die Regulation der Gene sei manchmal entscheidender als die Gene selbst. Im Untertitel der Spiegel-Geschichte steht: „Die Gene steuern uns – aber auch wir steuern die Gene.“ In meinem Buch klingt das so: „Die Umwelt beeinflusst das Erbe und umgekehrt.“ Und in der Spiegel-Hausmitteilung heißt es zur Erbe-Umwelt-Diskussion: “An Stammtischen wird über diese Frage genauso leidenschaftlich gestritten wie unter Nobelpreisträgern”. Das erinnert sehr an einen Ankündigungstext zum Buch Epigenetik von Bernhard Kegel, das zwei Monate nach Der zweite Code erschienen ist: „An Universitäten wie an Stammtischen wird hitzig debattiert, ob Umwelt und Erfahrungen den Menschen prägen oder allein seine Gene.“

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2. Ausgabe des Newsletter Epigenetik erschienen

(Hamburg, 28.6.10) Die vielen positiven Rückmeldungen zum ersten Newsletter Epigenetik waren überwältigend. Forscher, Mediziner, Journalisten und andere Epigenetik-Interessierte lobten die Auswahl und Aufarbeitung der Themen, trugen sich in Mailinglisten ein oder luden den Newsletter aus dem Netz herunter. Die FAZ wies sogar auf die neue Veröffentlichung hin (siehe nächsten Eintrag). Tausend Dank, liebe Leser! Ich hoffe, wir – meine Mitherausgeber, die mir auch dieses Mal hervorragend geholfen haben, und ich – werden Sie auch weiterhin für die Epigenetik begeistern.
Anfangs fragten wir uns, ob es genug hochwertige Informationen für ein vierteljährliches Erscheinen des Newsletters gebe. Diese Frage lässt sich nun – mit Erscheinen der zweiten Ausgabe – eindeutig mit ja beantworten: Gleich mehrere Artikel aus Science und Nature stellen wir vor, zudem Studien aus den PNAS, dem FASEB Journal, der Cell-Gruppe und der Nature-Familie – alles Top-Magazine der Biowissenschaften.
Der Newsletter präsentiert neue Ansätze zur Diagnose und Behandlung von Autismus, Posttraumatischer Belastungsstörung und Alzheimer. Von hoffnungsvollen Fortschritten in der epigenetischen Krebstherapie ist die Rede. Außerdem haben Wissenschaftler neue Details der Biochemie des Chromatins entdeckt und die Stammzellforschung vorangetrieben.
Mit anderen Worten: Die Epigenetik hält, was der Untertitel dieses Newsletters verspricht. Sie ist eines der wichtigsten Forschungsgebiete unserer Zeit.

Sie müssen den Newsletter oben nur anklicken, um ihn als .pdf herunterzuladen. Oder sie klicken einfach hier.


Dank an die FAZ

(Hamburg, 24.6.10) Der allmorgendliche Blick in die Statistik meiner Netzseiten hat mir gerade eine frohe Überraschung beschert: Ein gigantischer grüner Balken zeigt für gestern fast drei Mal so viele Besucher an wie gewöhnlich. Allein der Newsletter Epigenetik wurde satte 250 Mal angeklickt – an einem einzigen Tag.

Das alles verdanke ich einem Artikel des geschätzten Kollegen Joachim Müller-Jung von der FAZ. Er erwähnte in einem lesenwerten Beitrag über Epigenetik auch meinen Newsletter. Im Wortlaut: “Überraschend sind das Ausmaß und schließlich die Raffinesse dieses Codes. Der Hamburger Wissenschaftsautor Peter Spork sammelt seit kurzem die neuesten Interpretationstricks des Genoms in einem ‘Epigenetik-Newsletter’. Ein populärwissenschaftliches Archiv, das extrem schnell wächst.” Danke!

Davon, wie schnell das Archiv wächst, können Sie sich übrigens in der kommenden Woche überzeugen, wenn an dieser Stelle die nächste Ausgabe des Newsletters erscheint. Und den Hinweis auf die April-Ausgabe finden Sie vier Einträge weiter unten.

Sollten Sie zudem noch mehr über die komplexe Welt der Epigenetik mit ihren revolutionären Erkenntnissen und fantastischen Möglichkeiten erfahren wollen, empfehle ich die Lektüre meines Buchs Der zweite Code. Das ist laut FAZ eines der zehn wichtigsten Sachbücher des Herbstes 2009, der Spiegel findet es “eine kundige Einführung in die wundersamen Weiten der Epigenetik” und das German Book Office New York hat es im Frühjahr 2010 auf seine Liste jener deutschen Bücher gesetzt, die es amerikanischen Verlagen dringend zur Übersetzung empfiehlt. Das wäre natürlich eine tolle Sache, wenn mein Buch sogar auf Englisch erscheinen würde. (Der Top-Epigenetiker Randy Jirtle von der Duke University würde dann sogar sehr gerne ein Vorwort schreiben.)

Ach ja, noch etwas: Heute um 16:35 h sendet der Deutschlandfunk ein Interview mit mir zum zehnten Jahrestag der Entschlüsselung des menschlichen Erbguts. Titel: Ich – Mensch – Genom: Peter Spork – der Mann, der die Epigenetik populär machte. Hier spannt sich dann sogar der Bogen zurück zur FAZ. Michael Lange stellt in seiner fünftägigen Sendereihe nämlich fünf Personen vor, die etwas zur Entschlüsselung des Humangenoms zu sagen haben. Und am Dienstag war Frank Schirrmacher an der Reihe.

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Und einen Link zum DLF-Podcast finden Sie auf meiner Linkseite.


Russisch schlafen

(Hamburg, 8.6.10) Endlich ist mein Schlafbuch auch auf Russisch erschienen. Ich hatte schon gar nicht mehr damit gerechnet. Denn der Vertrag wurde schon ein paar Monate nach Erscheinen des Originals im Jahr 2007 abgeschlossen.

Es scheint wohl nicht so einfach, mein Deutsch ins Russische zu übersetzen. Und zudem hat sich der Moskauer Verlag BKL richtig Mühe gegeben: Ein russischer Schlafexperte hat ein Vorwort geschrieben und eine Menge Fußnoten eingefügt. Zu dumm, dass ich kein Russisch kann.

Ihnen geht es wie mir, und Sie können besser Deutsch als Russisch? Dann klicken Sie bitte hier .


Talent zur Vereinfachung

(Hamburg, 3.5.10) Fast zehn Monate nach Erscheinen meines Buchs über Epigenetik Der zweite Code darf ich mich noch immer über neue Rezensionen freuen. Jetzt hat das angesehene Magazin Spektrum der Wissenschaft sich ein Urteil gebildet – und das fällt wie schon bei fast allen anderen bisherigen Besprechungen sehr postitiv aus: “Vereinfachen, das ist das große Talent des Neurobiologen und Wissenschaftsjournalisten Peter Spork” schreibt die Rezensentin Julia Eder. Danke für das Lob!

Ein Kollege, der ebenfalls großen Wert darauf legt, dass seine Artikel leicht zu lesen sind, der sich aber dennoch schwierige, neue und immer spannende Themen vornimmt, ist Walter Schmidt. Er besitzt seit kurzem eigene Netzseiten, die ich nun auch in meine Linkliste aufgenommen habe. Um dorthin zu gelangen, klicken Sie bitte hier.

Für Auszüge aus der Rezension von Julia Eder und weitere Pressestimmen zum Epigenetik-Buch klicken Sie bitte hier.


Nachtcafé

(Hamburg, 21.4.10) Vor gut zwei Jahren war ich schon mal Gast bei Wieland Backes in der SWR-Talkshow “Nachtcafé”. Damals ging es um das Thema Schlaf und ich war als Autor des Schlafbuchs geladen. Der Abend war äußerst vergnüglich, so dass ich mich sehr freute, als der Moderator hinterher meinte, ich solle mit dem nächsten Buch doch wieder kommen.

Und nun ist es tatsächlich so weit. Am Freitag, den 23.4., 22.00 h, bin ich erneut im Nachtcafé zu Gast. Das Thema lautet “Wie wir wurden was wir sind”. Dahinter versteckt sich die alte Frage, welche unserer Eigenschaften angeboren und welche unweltbedingt sind – eine Frage, der derzeit die neue Wissenschaft der Epigenetik eine überraschende Wende verleiht: Die Umwelt – also das, was wir essen, der Sport, den wir treiben, der Stress, dem wir uns ausliefern oder die Liebe, die wir nach unserer Geburt genießen durften – beeinflusst nämlich unsere Gene und umgekehrt.

Mehr zu diesem Thema finden Sie in meinem Buch Der zweite Code.

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Newsletter Epigenetik

(Hamburg, 8.4.10) Wenn wir Menschen Computer wären, dann bildeten unsere Gene die Hardware. Aber natürlich müsste es auch eine Software geben – und mit der beschäftigt sich die Epigenetik. Die Aufklärung der Molekularbiologie an und neben den Genen ist eines der wichtigsten Forschungsgebiete unserer Zeit. Die epigenetischen Strukturen wirken wie Schalter. Sie fixieren das Genaktivierungsmuster einer Zelle und helfen, dass diese ihre Identität, ihr „Gedächtnis“, bei der Zellteilung an die Töchter weitergibt. Die Folgen epigenetischer Zellveränderungen, so genannter Epimutationen, können genauso gravierend sein wie genetische Einflüsse, anders als diese sind sie aber potenziell reversibel. Das macht die Epigenetik unerhört spannend für die gesamte Biomedizin, für Gebiete wie Psychologie, Pädagogik, Alternsforschung, Evolutionsbiologie, Krankheitsvorsorge und nicht zuletzt Krebsforschung und Krebstherapie. Die Leser meines Buches Der zweite Code wissen, was ich meine.

„Das Zeitalter der Epigenetik ist gekommen“, schrieb das Time Magazine im Januar 2010. Der bekannte deutsche Genetiker Rudolf Jaenisch vom Bostoner Whitehead Institute sagte schon 2008: „Wir befinden uns mitten im Jahrzehnt der Epigenetik.“ Es ist also höchste Zeit für einen Newsletter, der hilft, den Überblick über dieses dramatisch expandierende Feld zu behalten. Deshalb fasse ich von nun an quartalsweise die wichtigsten Neuigkeiten zu Grundlagenforschung, Onkologie, Wirtschaft und Medien sowie kommende Termine zusammen. Sechs anerkannte Forscher und Ärzte beraten und unterstützen mich dabei. Finanziert wird der Newsletter von der Celgene GmbH. Ich bin inhaltlich aber vollkommen unabhängig.

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Wo Bücher gut riechen

(Hamburg, 31.3.10) Diese Woche überraschte mich mein Verlag per Post mit ein paar kleinen Büchern, die besonders gut und exotisch rochen. Es handelte sich um die thailändische Ausgabe meines Kinderbuchs Höher – schneller – weiter.

Nun frage ich mich: Werden Bücher in Thailand parfümiert? Wenn Sie die Antwort wissen, schreiben Sie mir. Für meine Kontaktdaten, bitte hier klicken.


Sommerzeit

(Hamburg, 23.3.10) Am Sonntag endet leider die Erholung, die mir der gerade beendete Urlaub geschenkt hat. Es beginnt der Schrecken der Sommerzeit. Im aktuellen bild der wissenschaft habe ich gerade erst in einem dreiseitigen Essay die Abschaffung der Sommerzeit gefordert. Es wird wirklich höchste Zeit, dass dieser Unfug endlich aufhört. Da ich wegen des Urlaubs bisher noch nicht alle Leserbriefe beantworten konnte, wiederhole ich hier schon mal einen früheren Eintrag zum Thema. Er dürfte bereits einige Fragen beantworten:

Sieben Monate Schlafentzug
(Hamburg, 31.3.08) Es ist mal wieder so weit. Gestern wurde die Uhr umgestellt. Unsere inneren Uhren müssen sich erneut der so genannten Sommerzeit unterwerfen. Ich bin unausgeschlafen, versuche aber trotzdem zu beschreiben, warum die alljährliche Zeitumstellung grober, gesundheitsgefährdender Unfug ist:
Chronobiologen fanden heraus, dass helles, morgendliches Tageslicht das Tempo der inneren Uhren beschleunigt, abendliches Licht diese jedoch abbremst. Wenn wir also oft genug und halbwegs gleichmäßig über den Tag verteilt ans Licht gehen und halbwegs durchschnittliche innere Uhren haben, stellen sich unsere biologischen Rhythmen automatisch auf den 24-Stunden-Tag ein.
Die Zeitumstellung raubt uns allen aber Tag für Tag morgens eine Stunde Licht, das sie uns erst abends zurückgibt. Und weil die Mehrheit von uns eher zur Kategorie der eulenhaften Abendmenschen gehört, hat eben diese Mehrheit ein Problem: Die inneren Uhren erhalten die falschen äußeren Zeitsignale, und das übrigens nicht nur direkt nach der Zeitumstellung sondern jeden Tag erneut – so lange die Sommerzeit andauert. Wir werden deshalb jeden Abend nicht rechtzeitig müde und müssen uns (fast) jeden Morgen viel zu früh vom Wecker aus dem Schlaf reißen lassen. Sieben Monate kontinuierlicher Schlafentzug sind die Folge – von heute an, bis zum 26. Oktober, wenn die Uhren endlich wieder zurückgestellt werden.
Der Münchner Chronobiologie-Professor Till Roenneberg nennt dieses Phänomen übrigens treffend den sozialen Jetlag. Und er fand heraus, dass Menschen umso eher zu Zigaretten greifen, je größer ihr sozialer Jetlag ist. Nur gut, dass sich immerhin 62 Prozent der Deutschen gegen die Sommerzeit aussprechen.
Ich hoffe die Politiker folgen ihnen rasch.

Direkt zu meinem Schlafbuch, in dem ich die Abschaffung der Sommerzeit fordere? Bitte hier klicken.

Außerdem sendet NDR-Info in seiner Wissenschaftssendung Logo einen Bericht zum Thema in dem ich zu hören bin: Fr., 26.3.10, 21:05 h und So., 28.03.10, 15:05 h.


Lesereise

(Hamburg, 20.2.10) Nächste Woche werde ich wieder viel Zug fahren, aber das mache ich gerne, denn ich werde reich belohnt: mit dem persönlichen Kontakt zu meinen Lesern und mit der Möglichkeit, die Thesen meines neuesten Buches in direktem Kontakt zum Publikum zu präsentieren. In Linz und Bonn lese ich aus Der zweite Code, erzähle unterstützt von einer Bilderschau eine Menge über das spannende Gebiet der Epigenetik und erkläre, warum diese Erkenntnisse für uns alle so wichtig sind.

Für weitere Infos zu diesen und anderen Terminen bitte hier klicken.



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